Benevento – Potenza (Play-Off / Spielbericht)

Die schlechte Nachricht vorweg: Weihnachten fällt dieses Jahr aus; Santa Claus hockt knallvoll am römer Bahnhof Termini.

Die gute Nachricht: Ich hab am Wochenende mal wieder nen schönes Spiel gesehen und gehe euch jetzt mit dem Bericht auf den Sack, wenn das mal nichts ist?!

Bis kurz vor Ende der Serie B sah es noch so aus, als wäre der Aufstieg ein ganz klares Ding: Genoa und Napoli auf und davon, teils mit 17 Punkten Vorsprung auf die nächsten Verfolger, Juve eh schon quasi seit der Winterpause durch.

Dann aber am Vorletzten Spieltag Genoa „nur noch“ 10 Punkte vor Piacenza als 4. Das Wichtige dabei: Wenn der 3. mindestens 10 Punkte Vorsprung vor seinem Verfolger hat, so fallen die Playoffs aus und der 2. und 3. sind direkt durch.

Also letzten Spieltag Daumendrücken für Napoli und Piacenza, jedoch ohne Erfolg. Napoli und Genoa trennen sich friedlich wie es ihre 25 Jährige Fanfreundschaft verlangt 0:0 und sind beide endlich wieder in der A.

Da wir unsere Flüge ursprünglich für Samstag Abend gebucht hatten aber in der Hoffnung auf Playoffs am Samstag noch die Tage fix nen Nachtzug nach Milano für Freitag Abend genommen haben, wir mit viel, viel Zeit. Eigentlich zu viel Zeit um dann nur zu Pisa-Monza oder so zu fahren, die am Sonntag um den Aufstieg in die Serie B kämpfen sollten. Avellino-Foggia keine Alternative, da beide Protagonisten dort bereits vor einiger Zeit gewesen sind und zumal aus Angst vor Ausschreitungen bei diesem wichtigen Spiel keine Gästefans zugelassen waren. Schade …

Also fiel die Wahl recht schnell auf den C2 Knaller Benevento-Potenza, wo beide Vereine auch schon bessere Zeiten hinter sich haben.

 

Am Freitag also direkt nach der Arbeit nach Hause, Rucksack raus und zum Bahnhof. Die Fahrt bis Dortmund, wo der Nightliner beginnt gestaltet sich dank fehlendem Schaffnix als kostenneutral und in einem Düsseldorfer Vorort wird dann mit Basti der 2. im Bunde eingesammelt.

Da der Herr quasi gerade aus Polen wiederkommt gehen auch so schnell die Geschichten nicht aus, ehe wir uns in dem 6er Abteil, welches wir schaffen die Nacht über zu verteidigen, breit machen können.

 

Wie immer eigentlich super pünktliche Ankunft gegen 8 Uhr morgens in Milano Centrale. Der Erwerb von günstigen Bahntickets erschwert sich ein wenig sinnlos, da die Herren und Damen am Schalter sich wenig kooperativ zeigen, am Ende halten wir dann aber dann doch Nahverkehrstickets in der Hand, welche bis Foggia, dem ersten Etappenziel, nur 36 statt über 80 Euronen kosten. Die Fahrt durchs sonnige Norditalien wird größtenteils verpennt, nur der Kollege gegenüber fällt jedes Mal mit einem unverständlichen Wortschwall über mich her sobald alle anderen aus dem Abteil sind. Am Ende sind wir zumindest so schlau, dass er aus Bari, Griechenland, Serbien, Albanien oder dem Kosovo kommt. Zumindest wiederholt er diese Wörter unablässig und sein Italienisch ist zu dem meinigen leider wenig konform.

 

In Termoli geht es dann raus aus dem Zug, genug gefahren für heute. Immerhin sitze ich jetzt seit nun 24 Stunden fast ununterbrochen im Zug. Die Adria ruft ebenso wie eine wundervolle Altstadt – So stelle ich mir die perfekte italienische Kleinstadt vor! Hier könnte ich gleich einziehen … enge Gassen, schöne Häuschen, direkt an der Adria gelegen, super schön alles. Außerdem scheint hier heute großer Hochzeitstag zu sein. Wir ziehen es dennoch vor Junggesellen zu bleiben und machen uns auf der Suche nach einer schönen Pizzeria. Fündig werden wir in der Innenstadt und da wir als Motto „Pizzafahrt!“ ausgerufen haben macht sich jeder von uns nicht über nur eine der Teigscheiben her, die geschmackstechnisch im oberen Bereich anzusiedeln sind.

Die Nacht wird dann aus Kostengründen an den Strand verlegt. Da unser Zug am Sonntag schon um 5:30 fährt lohnt es sich nicht wirklich dafür noch ins Hotel zu gehen. Am ersten Strandabschnitt werden wir von nem Wächter von unseren Liegen verjagt, im nächsten haben wir dann unsere Ruhe. Da der Seewind aber nachts anfängt ganz gut zu blasen ist der Schlaf doch ein wenig unruhig.

Gegen halb 5 schleppen wir uns zum Bahnhof und schlafen die Stunde Zugfahrt bis Foggia durch. Die 2 Stunden Aufenthalt dort sind dann fix überstanden und es geht mit dem EuroStar weiter gen Benevento. Der Herr Mitfahrer hat es geschafft für sein 1. Klasseticket einen Euro wenig zu zahlen als meiner einer für sein 2. Klasseticket. Für eine Stunde Fahrt ist das aber auch egal – einzige Sorge ist es nicht einzuschlafen und den Ausstieg zu verpennen.

 

In Benevento angekommen das gleiche Bild wie in der letzten Saison bei den Playoffs zur Serie B in Frosinone: Die ganze Stadt scheint Kopf zu stehen, alles ist in Vereinsfarben geschmückt von den Fenster und Balkonen hin zu den Straßen über denen rote und gelbe Stoffbahnen hängen. Leider musste die Stadionkapazität von 19.000 auf knapp unter 10.000 für dieses Spiel beschränkt werden, damit es nicht unter die Folgen des Decreti Pisanu fällt, als die wären personalisierte Tickets, elektronische Einlasskontrollen etc. Die verfügbaren Tickets waren dann auch bereits am Donnerstag nach 3 Stunden Vorverkauf restlos weg. Schon sensationell für ein 4. Ligaspiel.

 

Da es noch reichlich Stunden bis Anpfiff sind und es vor allem schon höllisch heiß ist, ziehen wir uns erst mal ins Bahnhofscaffee zurück und gönnen und nen paar Espressi während wir den Einheimischen anonymen Spielsüchtigen in der angrenzenden Automatenwelt zuschauen. Schon derbe in welchem Tempo die Jungs immer wieder ankommen um Scheine in Kleingeld zu wechseln. Besonders lustig ein Fettsack in Beneventotrikot, dessen einzige körperliche Ertüchtigung der permanente Marsch vom Automaten zum Wechseln an der Kasse zu sein scheint.

 

Irgendwann haben wir uns dann aber auch satt gesehen und machen uns auf den ca. 3 Kilometer langen Gang zum Stadion. Ein wunderschönes Teil, über 30 Jahre alt und jedes einzelne Jahr gut sichtbar, doppelstöckig, wahnsinnig eng und nur die Haupttribüne ist überdacht. Vor dem Stadion schon ein immenses Polizeiaufgebot. Auf der Suche nach dem Schalter wo wir unsere Tickets abholen können kommen wir mit einigen der Ultras und Mods ins Gespräch, Schals etc. gibt es leider nicht zu kaufen, als kleines Trostpflaster gibt es Aufkleber geschenkt.

Da mit meinem Ticket irgendwas schief gelaufen zu sein scheint werde ich von einem Offiziellen so ins Stadion geleitet und sehe die Ankunft der Spielerbusse nur von innen. Kurz zuvor war das Schiedsrichtergespann angereist – wohl in Angst um das eigene Gefährt mit Taxi. Während der Einheimische Bus kaum einen Meter voran kam bei den begeisterten Tifosi, werden die Gäste mit Papierbomben und Pöbelgesängen empfangen.

Im Stadion dann bei der Besichtigung des Rasens der erste Eklat: Die bis dato spärlich gefüllte Heimkurve stellt fest, dass der Trainer der Gegner „ein Stück Scheiße“ sei, wohingegen einige seiner Spieler da entschieden widersprechen wollen und pöbelnd zur Heimkurve rennen. Das wiederum finden weder die Zuschauer noch die heimischen Spieler witzig. Während von den Rängen von allen Seiten Flaschen und Feuerzeuge hageln gehen einige Spieler auf einander los. Die Polizeikette, erst zwischen Curva und Spielern aufgebaut, hat nun alle Mühe die Kontrahenten auf dem Feld von einander zu trennen. Einige gehen bereits jetzt zu Boden – auf ein heißes Spiel kann man sich also gleich im doppelten Sinne freuen! Der beliebte Trainer wird dann noch mit „Warte nur bis nach dem Spiel …“ Gesängen verabschiedet.

Nächster Lieblingsfeind auf der Liste der Einheimischen ist dann wohl die Staatsmacht. Kaum hat die sich vom Feld zurückgezogen und in den Ecken positioniert, bekommen sie den Hass zu spüren. Von oben hagelt es Flaschen oder auch gerne mal ne Papierbombe in die Menge, dazu dann „Wer nicht hüpft ist Polizist“ und alles incl. Haupttribüne springt wild auf und ab. Schööööööön!

Mit der Blocktrennung sehen wir das ganze heute nicht gaaanz so eng, klettert doch jeder über die Trennzäune wie er gerade lustig ist.

 

Mit Eintreffen der heute zugelassenen ca. 600 Gäste aus Potenza ein Pfeifkonzert, das sich hören lässt. Das ganze Stadion auf’s wildeste am Pöbeln und die Ospiti lassen sich natürlich auch nicht lumpen. Fußball wie ich ihn mag!

 

Dieses enge und steile Stadion ist eine reine Hölle beim Einlaufen der Teams. Überall rumst es vor Papierbomben, ein Fahnen- und Schalmeer und kollektives Durchdrehen in Ohrenbetäubender Lautstärke; was solche Vereine in unteren Spielklassen zu suchen haben während Treviso, Piacenza und so weiter ein paar Ligen höher ran dürfen weiß wohl nur der Fußballgott.

 

Stimmungsmäßig legt die Heimkurve zunächst mächtig los, von den Gästen kommt kaum ein Piep an und als dann nach 10 Minuten das 1:0 fällt kennt hier keiner mehr ein Halten. Da das Hinspiel 1:0 für Potenza ausging muss hier ein Sieg heute her, Auswärtstore zählen nicht doppelt, bei Gleichstand gibt es eine 30 minütige Verlängerung aber kein Elfmeterschießen. Sollte es dann noch Unentschieden stehen würde die Tabellenposition am Saisonende entscheiden und das hieße in diesem Fall: Aufstieg Benevento.

 

In diesem Tollhaus hab ich jetzt wenig bis gar keinen Blick mehr für so Nebensächlichkeiten wie das Gebolze vor mir auf dem Rasen.

Bemerkenswert: Auf beiden Seiten wird auf den Einsatz von Megafonen verzichtet. Ob nun auch aufgrund der neuen Sicherheitsbestimmungen seit Catania oder freiwillig weiß ich nicht, jedoch stark wie die Meute dennoch animiert wird von den Capi auf den jeweiligen Zäunen. Kollektive Hüpfeinlagen, Gesänge getragen von den jeweils kompletten Blöcken … fantastisch! Das ist Italien! Aber auch hier sind Auswirkungen von Catania kaum zu übersehen: Die Auswahl welche Zaunfahnen hängen dürfen sind willkürlich und bekloppt. So hängen keine der bekannten Fahnen der Sconvolts, Mods, Ultras und wie die Gruppen heissen, jedoch manche kleine Sektionsfahne oder wie auf Gästeseite einfach eine überdimensionierte Schwenkfahne mit „ULTRAS“ Schriftzug drauf.

 

In die Halbzeit geht es mit dem 1:0 und die Hitze von wohl um die 35°C fordert langsam ihren Tribut sowohl bei Zuschauern als auch Spielern und nicht zuletzt uns beiden.

Die Gäste randalieren noch gut rum, ihr Block ist etwas schattiger als die Heimseite, welche der Sonne unbarmherzig ausgesetzt ist. Besonders witzig, wie bei jeder vergebenen Chance der Rot-Gelben ein Trupp Potentini gen Trennzaun rennt und wild lospöbelt als habe man gerade den Aufstieg eingefahren. Schade eigentlich, dass nur eines der Teams aufsteigen kann, von den Fanszenen her hätten beide die C1 locker verdient, dennoch sind meine Sympathien klar zu Gunsten der Beneventani verteilt.

 

Diesen scheint die Hitze aber nicht zu bekommen, ab der Halbzeit wird auf Zeit gespielt. Eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich das rächt. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit eine doch wohl überzogene rote Karte gegen einen Rot-Gelben und es geht mit nur noch 10 Mann in die Verlängerung … da kommt es wie es kommen muss: Erst 2 hundertprozentige Chancen versemmelt und dann knallt es hinten! Vaffanculo!!

Die Zuschauer außer Rand und Band ebenso wie die Spieler. Direkt gibt es wieder einen mittelgroßen Menschenauflauf mit dem Höhepunkt, dass ein verletzter Auswechselspieler dem Torschützen eine linke Gerade auf die Nase verpasst. Was dieses Spiel alles an Strafen nach sich ziehen wird dürfte interessant werden, begleitet doch quasi jeder Eckball der Gäste ein Regen aus Feuerzeugen und Flaschen, werfen beide Seiten Pyrotechnik aufs Feld und nun schon die zweite Schlägerei unter den Spielern.

Da wollen die Ultras natürlich nicht nachstehen, verlassen mit hunderten Leuten den Oberrang und gehen nach unten, wo versucht wird der 3 Meter tiefe Trenngraben zum Feld hin zu überwinden, hinter dem die Polizei nun aufgezogen ist. Der Gästekeeper wird, nachdem er vom Torjubel zurückgekehrt ist noch mit Flaschen überzogen und fast von einer Papierbombe getroffen … Chaos und Anarchie pur hier.

 

An Stimmung ist hier jetzt nicht mehr viel zu denken, die letzten Minuten sind Hass auf beiden Seiten und man lässt es sich nicht nehmen das restliche Leergut (das eigentlich noch voll ist) auf den Köpfen im Settore Ospiti zu entsorgen. Von Seiten der Polizei nur beschwichtigende Gesten – weiß man wohl, was hier los wäre würde man in die Blöcke gehen.

 

Dann der Abpfiff der Verlängerung! 1:1 und Potenza in C1. Merda das hätte ich gerne andersrum gesehen … Dafür aber jetzt erneut ein Hagel von Flaschen und wir ziehen uns Richtung Mittelkreis zurück in der Hoffnung, dass die Herrschaften nicht weit genug werfen können. Können sie auch nicht, aber klettern und springen und was die Anhänger nicht erledigen können, das tun die Spieler. Wild schreiend jagt beispielsweise der Ersatztorwart (ein Hüne von 2 Metern irgendwas) Offizielle des frisch gebackenen Aufsteigers in die Katakomben und kann mühsam bis gar nicht von Ordnern und Mitspielern aufgehalten werden. Dem Torwart der Gäste wird dann noch vor den Kopf geschlagen wobei er seine Cappy verliert, welche dann auf Umwegen in meine Tasche findet. Kleines Souvenir … grazie!

 

Während drinnen weiter versucht wird den Graben zu überwinden und die davor Schlagstockschwingende Polizei mit allem beschwadert wird, was zu finden ist von Rauchbomben über die allgegenwärtigen Flaschen bis hin zu Bengalos und undefinierbaren Metallteilen, hat man draußen wohl alles einigermaßen im Griff. Die Meute die sich hier zusammengezogen hat wird argwöhnisch von der Polizei beäugt und gefilmt … und wir machen uns auf in der Hoffnung noch irgendwo ein Superschnäppchen mit einem der jetzt wohl als Ladenhüter endenden „Benevento in C1“ T-Shirts machen zu können. Leider Pustekuchen aber die Pizzeria, die wir nun nach längerem Suchen entdecken entschädigt für vieles. Was am Stadion noch genau los ist kriegen wir leider nicht mehr mit, von Zeit zu Zeit hört man aber noch einzelne Detonationen.

Da unsere Tour wie bereits erwähnt unter dem Motto „Pizzafahrt!“ stand auch heute wieder nicht nur eine pro Person. Die Stiftung Pizzatest verleiht an dieser Stelle eine gute 2+.

Leider können wir nicht wirklich genießen, wartet doch unser Anschlusszug in Caserta wohl kaum deswegen auf uns.

Im Endeffekt warten wir dann auch auf den Zug und er nicht auf uns. Und das gleich geschlagene 2 Stunden. Der Grund, den wir erfahren als Bahnangestellte bereits zum 2. Mal – und von Polizisten begleitet – auf dem Gleis unsere Tickets kontrollieren ist ebenso komisch wie typisch südländisch. „in Napoli werden die Fahrkarten kontrolliert“. Ach? Und wenn in Dortmund die Fahrkarten kontrolliert werden kommt der Zug auch 2 Stunden später in Münster an?

Naja, dass Dortmund nicht Napoli und Caserta nicht Münster ist durfte man dann erfahren als der Zug dann doch endlich einrollt. War doch die Hoffnung aufgekeimt, sämtliche Fahrgäste ohne Fahrschein währen des Zuges verwiesen worden, so wurde diese hier ruck zuck zerstört.

Aus den Fenstern hingen se schon raus. Das hat alles ein bisschen was von Fußballsonderzug aber in diesem Moment wäre ich lieber in jedem Fußballzug der Welt als in diesem hier.

Die Frauenquote liegt bei vielleicht 2%, die der Jugendlichen ist nicht mehr in Zahlen auszudrücken. Stattdessen nur kaputtes, also WIRKLICH kaputtes Volk anwesend. Wir kämpfen uns durch 3 oder 4 Waggons durch und entscheiden uns: Bei denen wollen wir ganz sicher nicht im Abteil sitzen. Wen oder was die hier kontrolliert haben mögen; es lief vermutlich auf den Vergleich hinaus: „Ihr bringt hier im Zug niemanden um und dafür dürft ihr umsonst fahren“. Der Schaffner verbrachte die Fahrt über eingeschlossen in seinem verbarrikadierten Abteil wohl der Sinnlosigkeit bewusst bei diesen Menschen hier zu versuchen einen Fahrpreis für die Tour heraus zu bekommen und dafür Leib und Leben zu riskieren.

Wir kämpfen uns durch bis in den vordersten Wagen, scheinbar eine Art VIP-Waggon, hier stehen kaum welche aufm Gang, der Zigarettenqualm in diesem Wagen (wie jeder Zug in Italien strenger Nichtraucherzug) ist gerade nur noch so dick, dass man ihn nicht schneiden muss. Und dann taucht er vor uns auf: Santa Claus himself. Ok, er riecht als habe er sich den letzten Gang zum 2 Meter entfernten Klo aus Bequemlichkeitsgründen lieber gespart und sein Mantel hat auch schon bessere Tage gesehen … naja und statt eines Sackes auf dem Rücken trägt er eine mit Flaschen gefüllte Plastiktüte in der Hand aber dennoch sind wir uns ganz sicher: Das ist er! Aber spätestens nachdem ein Mitfahrer ihm sein Feuerzeug leiht, damit er den in der Pisslache vorm übergelaufenen Klo gefundenen Zigarettenstummel anzünden kann ist uns klar: Das wird dieses Jahr nix mit Geschenken zu Weihnachten! Der gute Mann hustet als würde er dabei das Mittagessen der letzten 2 Wochen mit auswürgen. Andererseits: Wenn es die belegten Brötchen von diesem ekligen Typen waren, der jetzt hier rummarschiert und versucht etwas zu verdienen … dann wäre das wohl die beste Entscheidung selbige so schnell wie möglich aus dem Magen zu bekommen.

Aus unerklärlichen Gründen fällt nun auch noch das komplette Licht aus, man sieht die Hand vor Augen nicht mehr aber da ja Blindheit bekanntlich die anderen Sinne schärft nimmt man ab sofort die Ausdünstungen unseres Weihnachtsmannes und seiner Kollegen hier vor uns um so deutlicher wahr. Ker was schön …

Der Zug donnert mit einem Affenzahn über die Piste und es klingt als würde es ihn spätestens an der nächsten Weiche komplett zerlegen. Sich unterhalten ist quasi unmöglich, selbst wenn man schreit versteht man sein eigenes Wort nicht, dazu kommt die heftige Müdigkeit. In Angst um die eigenen Sachen wird alles an Wertsachen in die rechte Hosentasche gepackt und die rechte Körperseite an die Zugwand gepresst, die Tasche kommt auf den Schoss und wird heftig umklammert.

In Rom dann zumindest etwas Erholung: Die schlimmsten Pflegefälle inklusive Santa steigen aus … wohl um hier die kommenden 5 Tage wieder Touristen auszurauben und abzuziehen um dann das Wochenende wieder zu hause in Napoli zu verbringen … „Napoli merda, Napoli colera sei la vergogna dell italia terra“

Jetzt verstehe ich auch so manches Lied, das gerne gesungen wird wenn die Azzuri zu Gast in fremden Stadien sind.

 

An Schlaf ist dennoch erst wirklich ab Florenz zu denken, wenn man es nicht wie andere macht, die in die Gepäckablage klettern.

Das aber nun wirklich unfassbare an dieser Fahrt: Obwohl wir mit ziemlich genau 2 Stunden Verspätung losgefahren sind, kommen wir über 30 Minuten vor Fahrplan in Mailand an.

 

Hier wird jetzt nur noch die obligatorische Reiselektüre erstanden (Im Falle des Fan’s Magazin sogar in für Mailänder Verhältnisse sehr guten Zeit) und ab zum Flughafen um noch mal wenn möglich eine Runde zu schlafen.

 

Als erstes wollen hier natürlich die Verstickungen von Hans-Werner-Drogenbaron-Moors untersucht werden. Der Internet-PC (günstige Konditionen … 5 Minuten surfen nur 1 Euro) schluckt meine Münze nicht. Also mit meinem Malpensabusticket gestochert und siehe da: rutschen 2 Euro durch die vor mir jemand reingeballert hat sowie ein 5 Cent Stück aus dem Wechselgeldschacht, die der Automat nicht angenommen hat. Mag wenig klingen 5 Cent für 10 Minuten surfen geschenkt zu bekommen aber hätte ich in meinem Leben für jede 10 Minuten Internet 5 Cent bekommen säße ich jetzt nicht auf der Arbeit sondern zuhause auf einem dicken Sack voll Geld.

Da die letzte Dusche auch schon ein wenig her ist gibt es im Dutyfreeshop vom 75 Euroduftwässerchen der Marke Armani ordentlich was in die Achseln als Deoersatz – nur soviel zu „Assi mit Niveau!“

Der Rückflug dann – wie immer- mit etwa 30 Minuten Verspätung, dafür diesmal mit Oliver Neuville in der letzten Reihe. Diese 30 Minuten brechen mir jetzt aber fast das Genick – der ICE Frankfurt – Köln HBF wird noch mit Türenschließen erwischt und somit auch der Anschlusszug nach Münster, welcher das morgendliche zur-Arbeit-gehen heute ermöglicht hat. Besonders beeindruckend aber die 10 Minuten Fahrt mit dem ICE im Vergleich zu den 900 Kilometern im Zug von Caserta nach Milano – ein Gefühl als würde man 100 Jahre Eisenbahnentwicklung binnen 12 Stunden mitmachen. Wenig verwunderlich, dass hier die Schmierereien aus dem italienischen Zug („Trenitalia schäm dich!“ „Mehr Komfort und zwar sofort!“) fehlen.

Ansonsten ein klasse Wochenende: über 4.000 Kilometer, davon knapp 3.000 im Zug auf über 35 Stunden verteilt … der Arsch ist platt gesessen aber was tut man nicht alles für 120 Minuten 4. Ligafußball? Und sag jetzt keiner 6 Seiten Spielbericht seien zu viel für nen Unterklassiges Spiel …

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