Catania – Modena (Spielbericht)

Während in Münster sich alles auf die Sonderzugfahrt nach Bielefeld am nächsten Tag freute machte sich die Sektion Stadionverbot in Person von mir auf den Weg nach Sizilien.

Direkt nach der Landung um kurz vor 9 ging es von Palermo Centrale nach Catania ans andere Ende der Insel. Einmal Umsteigen, Fahrtdauer knappe 4 Stunden – was soll da schon schief gehen, wenn das Spiel erst um 20:00 Uhr ist? Naja es wäre nicht Italien und es wäre nicht Tren Italia wenn ich wirklich Stunden vor Spielbeginn am Ziel angekommen wäre. Stattdessen durfte ich 3 Stunden in der Pampa auf einem Bahnhof einer 500 Einwohner Gemeinde ohne Kiosk, Supermarkt oder ähnliches hocken und zu allem Glück fing es plötzlich aus allen Rohren an zu schütten. Und das wo mir genau zu dem Zeitpunkt aus Ostwestfalen eine „Mörderhitze“ gemeldet wurde. Verkehrte Welt. In Catania angekommen (um 19:00 – mit knappen 3 1/2 Stunden Verspätung) war das Wetter dann aber wieder den Breitengraden angepasst. Doch dank der Zeitknappheit musste ich mich ins erste Hotel das zu finden war stürzen und durfte mal schön 50 Euro zahlen. Super, wenn man bedenkt, dass mein Zug zurück nach Palermo am nächsten Morgen um 6:10 fuhr und ich somit eine äußerst kurze Nacht vor mir hatte.

Also schnell Gepäck deponiert und ab in den nächsten Bus zum Stadion. Eigentlich ein absolut sinnloses Unterfangen. Wer schon mal den Verkehr in Catania gesehen hat wird sich fragen wieso es dort überhaupt Busse gibt. Die Stationen liegen keine 10 Meter auseinander und trotzdem braucht mal von der einen zur anderen mit unter mehrere Minuten. Also nach 15 Minuten (und ungelogen 800 Metern Fahrt um dem Block) zusammen mit anderen entnervt ausgestiegen und zu Fuß losgestiefelt. Vor mir weg eine Gruppe amerikanischer Austauschschülerinnen, die sich ihren Gesprächen nach mehr für Baseball interessierten, aber wo sie dann schon mal in Italien waren sich den Nationalsport anschauen wollten. Nach der Stimmung, die die folgenden 90 Minuten kommen sollten dürften sie nochmal überlegt haben ob Baseball wirklich so das Richtige ist.

5 Minuten vor Anpfiff stürmte ich total entnervt durch die Tourstrapazen den Eingang – und direkt erst mal nen kleiner Schock. Die Kurve schien unglaublich leer und auch von dem sonst in Italien so geilen Einsingen vor dem Spiel nichts zu sehen. Na super …

Aber kaum betraten die Spieler das Grün brach eine kleine Hölle los. Urplötzlich war die Kurve gut gefüllt, Gesänge in – für ein unüberdachtes Stadion – einer verdammt geilen Lautstärke, und überall wo man hinsah Bengalen. Sowohl in der Fankurve als auch Haupt-, Gegentribüne und in der anderen Kurve. Mindestens 50-60 Fackeln. Ein toller Anblick! Aber auch Gesangstechnisch wurde losgelegt wie die Feuerwehr, 90 Minuten Dauersupport vom Feinsten – und das alles mit dem Panorama des Ätna im Hintergrund.

Nach 5 Minuten wurde ein großes Transpi gezeigt „Polizei von Salerno – Tiere in Uniform!“, was sich wohl auf Vorfälle beim Spiel in Salerno die Woche zuvor bezog. Was allerdings dabei geschah war absolut bemerkenswert: Das ganze Stadion inklusive Haupttribüne stand auf und sang ein knapp 2 minütiges Lied gegen die Polizei. Diese schien davon so beeindruckt, dass die unter der Gegentribüne zusammengezogenen Einsatzkräfte das Stadion verließen. Unglaublich …

Im Gästeblock meldeten sich zum Halbzeitpfiff die etwa 15 anwesenden Ultras aus Messina unter den insgesamt etwa 200 Modenesi zu Wort, was von dem Einheimischen als Aufforderung zum Blocksturm angesehen wurde. Im Heimblock und auf der Hauptribüne setzte eine kleine Völkerwanderung ein und knapp 5-600 Leute versuchten den Gästen ans Leder zu kommen. Und das nach knappen 1.200 km Fahrt für ein nahezu unwichtiges Spiel. Bengalen wechselten den Besitzer und es wurde fleißigst versucht die Tore zum Gästesektor einzureißen. Diese waren jedoch locker 6 Meter hoch und aus massivem Stahl. So half auch aller Einsatz wenig und nach 15 Minuten musste eingesehen werden, dass es doch mehr Sinn macht wieder in die Kurve zurückzukehren. Jedoch nicht ohne weiterhin zu pöbeln.

Auch die 2. Hälfte wurde mit einem ganzen Arsenal Pyroteschnischer Gegenstände eingeläutet. Über das ganze Spiel verteilt brannten hier heute sicherlich 200 Fackeln oder mehr.

15 Minuten vor Spielende war langsam abzusehen, dass Catania keine Chance hatte das Spiel noch zu gewinnen oder zumindest einen (recht wichtigen im Kampf gegen den immer noch möglichen Abstieg) Punkt zu ergattern. In der 89. Minute fing es dann an zu hageln. Diesmal jedoch war der Himmel klar, der Hagel bestand aus Bengalen, Feuerzeugen und anderem was sich entbehren ließ. Der Schiedsrichter zog es dann vor das Spiel nicht – wie eigentlich nach den neuen Statuten seit dem Mailänder Derby gefordert – abzubrechen, sondern pfiff einfach „besonders pünktlich“ ab.

Beruhigen konnte das die Tifosi jedoch nicht im geringsten und so ging so mancher Sitz und so manches vorher gezeigtes Transparent in Flammen auf. So langsam wurde es mir dann doch ein wenig ungemütlich und vor allem der seit 48 Stunden ausstehende Schlaf machte sich bemerkbar. So ging es dann jedenfalls noch für knappe 5 Stunden in mein Bett. 10 Euro pro Stunde Schlaf, da muss man besonders genießen.

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